Böllerschützen

Brauchtum

Das Weihnachtschießen

Die Schützen der Weihnachtsschützenvereine begeben sich gegen 22 Uhr zu den traditionellen Schießplätzen, die abseits der Ortschaften liegen und beginnen mit einzelnen Salven aus ihren Hand- Schaftböller. Das Schießkommando erteilt jeweils der Schussmeister.

Der eigentliche  Höhepunkt des Schießens ist, wenn gegen 23:30 die Glocken zur Christmette läuten. Bis kurz vor Beginn der Mette wird das Schießen durchgeführt. Während der Messe werden 6 Salven abgegeben, die so genannten Wandlungsschüsse. Dies sind 3 bei der Elevation der Hostie und 3 bei der des Kelches. Am Ende der Mette wird nochmals geschossen und so die winterliche Bergweihnacht begleitet. Das Schießen wird weit über die Dörfer wahrgenommen.

Das Böllerschießen

Das Böllerschießen ist Pflege alten Brauchtums und hat sich vom Beginn des Krieges zum Volksbrauch entwickelt. Es wird seit Jahrhunderten ausgeübt.

Entstehung:

Seit frühester Zeit verwendeten Menschen Hilfsmittel um Lärm zu erzeugen. Damit wollte er

 

  1. die rasche Verbreitung einer Warnung,
  2. das Abwehren und Vertreiben böser Dämonen,
  3. das Ausdrücken seiner Freunde,
  4. das Aufwecken der Natur und
  5. das Vorantreiben des Wachstums

 

bezwecken.

 

Wenn man früher verschiedene Hilfsmittel für das Lärmerzeugen verwendet hat, so entstand durch die Entdeckung des Schießpulvers eine neue Möglichkeit, lauteren und im größeren Umkreis hörbaren Lärm zu erzeugen. Für das Schießen hat man zunächst vorhandene Feuerwaffen verwendet und erst viel später wurden die eigentlichen Böller in verschiedenen Formen entwickelt.

Betrachtet man die Schreibweise früherer Zeiten, so war diese unterschiedlich. Während man in Österreich den Böller mit „ P „ schrieb, wurde in Deutschland schon immer die heutige Schreibweise verwendet. Früher tauchte der Begriff „ Beller“ vereinzelt auf.

 

Den Böller bezeichnet man als ein Gerät, in dem eine verdämmte Pulverladung eingebracht und anschließend gezündet wird, so dass ein lauter Knall weithin zu hören ist. Dabei kann das Verdämmungsmittel aus Holz , Kork oder Filz bestehen. Die ältesten Böllergeräte, egal welcher Form, wurden von vorne geladen und verdämmt. Die Zündung wurde durch ein seitliches oder auch oben liegendes Zündloch mittels Feuereisens oder einer Lunte, später mit einer Zündschnur vorgenommen.

 

Ursprünglich verstand man unter einem Böller ein Steilfeuergeschütz ( Mörser ) im Gegensatz zur Kanone, die zum direkten Schuss eingerichtet ist. Mit Böllern konnte man Bomben, Stein, Leucht- und Lustkugeln verschießen. Der Ursprung der Böller reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück, wie es z.B. der große Pumhart von Steier beweist.

 

Allmählich löste man sich von der Form der Steilfeuergeschütze und verwendete kleine Mörser. Diese hatten meist Schildzapfen und Delphine. Sie dienten oftmals nur der Zierde, allerdings auch zur besseren Handhabung. Eine Lafett war bei dieser Art von Böller nicht notwendig. Durch die Ausführungsform – man verbreiterte den Fuß des Böllers – wurde ein sicherer Stand herbeigeführt. Als Material hat man in der Regel Bronze verwendet, das zur damaligen Zeit im Geschützwesen Anwendung fand. Im Grazer Zeughaus befinden sich 13 derartige Böller.

 

Die Arten und Formen der Böller sind unterschiedlich und meist der jeweiligen Epoche angepasst. So gibt es viele Geräte mit reichen Verzierungen, die den Geschmack der jeweiligen Zeit ausdrücken. Besonders schöne Exemplare befinden sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und im Armee-Museum in Ingolstadt.

 

Die von den Bauern verwendeten Böller waren der Ausführung einfacher und oft kegelstumpfförmig d. h. vom Boden zur Mündung hin sich verjüngend. Sie waren oftmals auch sechs-, acht- und zwölfeckig und pyramidenförmig ausgebildet. Um eine bessere Standfestigkeit zu erreichen, wurde unterhalb des Zündlochs der Boden durch Stauchen verbreitet. Es sind auch andere Formen entstanden, je nach künstlerischen Begabungen der einzelnen Schmiede bzw. der Bronzegießer. Gegen Ende des letzten Jahrhundert kam dann die industrielle Herstellung der Böller auf. Es wurden auch Böller von den Bauern selbst hergestellt. Das Material dazu nahm man von landwirtschaftlichen Geräten, so z.B. von Futterschneidemaschinen. Böller wurden seit jeher für das Schießen zu feierlichen Anlässen hergestellt. Sie waren für Kriegszwecke völlig ungeeignet. Außerdem wurden sie als Verständigungsmittel bzw. als Warneinrichtung bei Herannahen des Feindes eingesetzt.

 

Heute steht ein reichhaltiges Angebot an Böllergeräten zur Verfügung. Nach der Art der Ausführung und Verwendung unterscheidet man die Böller in vier Gruppen.

 

  1. Legböller , eine Art, die heute kaum noch Anwendung findet
  2. Standböller, beliebte Geräte der Soldaten. Und Veteranenvereine
  3. Böllerkanonen in verschiedenen Größen und schließlich
  4. Hand und Schaftböller.

Sonstiges Brauchtumsschießen

Früher war es üblich, an den drei bedeutendsten Rauhnächten der Weihnachtszeit zu schießen.

Als Rauhnächte werden die Weihnachts-, Neujahrs- und Dreikönigsnacht bezeichnet. Auch hier  hat sich ein Wandel vollzogen. Während das Schießen in der Weihnachtsnacht beibehalten wurde, hat man das Schießen in der Neujahrsnacht eingeschränkt und in der Dreikönigsnacht völlig eingestellt. Das Schießen am Jahresende wird heute von der breiten Masse der Bevölkerung vorgenommen, wobei man vorwiegend pyrotechnische Gegenstände verwendet. In den letzten Jahren ist der Trend festzustellen, dass man immer mehr von lärmerzeugenden Gegenständen zur Effektfeuerwerkskörper übergeht.

 

Das Fronleichnamsfest ist ein großes Fest der katholischen Kirche und wird alljährlich unter großer Teilnahme der Bevölkerung durchgeführt. Im Berchtesgadener Land wird – wie auch anderswo – geschossen. Dazu werden schwere Böller verwendet. Bereits um 6 Uhr früh wird das Fest mit dem Wetterschießen eröffnet, wobei 20 Schuss abgegeben werden. Ab 7 Uhr wird  der Verlauf des Hochamtes mit weiteren Schüssen begleitet. Jeweils 3 Schüsse bei Beginn, Gloria, Evangelium, Opferung, Sanktus, Wandlung des Brotes und des Weines, Kommunion und zum Schlussevangelium. Während der Prozession selbst fallen dann alle ein bis zwei Minuten Schüsse.

 

Zum Brauchtum gehört auch das Hochzeitsschießen, das auch „ Brautwecken“ genannt wird, wobei sowohl vor dem Haus der Braut als auch des Bräutigams Schüsse abgegeben werden. Vielfach verzichtet man heute auf das Brautwecken. Statt dessen wird das Brautpaar nach der Trauung, wenn es die Kirche verlässt, mit mehreren Böllerschüssen empfangen.

 

Ein alter Brauchtum ist auch das „ Johannesschießen“ , das mit dem Entzünden des Johannesfeuer zusammen vorgenommen wurde. Nachdem die alten Bräuche im Laufe der Jahrhunderte auf kirchliche Feste übergangen sind, werden heute nur noch vereinzelte am Vorabend  der Sonnwendfeier Schüsse abgegeben.

 

Ein weiteres Schießen findet zu besonderen Anlässen statt, u.a. das Einschießen der Kirchweihen. Auch der dreifach Ehrensalut bei der Beerdigung von Kriegsveteranen und Schützen wird heute noch praktiziert.

 

Wie erklärt sich aber der Brauch , am Grabe eines Kriegsveteranen  eine dreimalige Salve abzutun ?

 

Ein Lied von Schiller hat nachfolgenden Text:

 

            „ so trugen si ihn ohne Sang und Klang

            Ohne Pfeifengetön und Trommelklang

            Ohne Kanonenmusik und Flintengruß

            Womit man Soldaten begraben muss.“

 

Es entsprach den alten heidnischen Vorstellungen unserer Vorfahren, dass die sich dem Toten nähernde, unheildrohende Geister durch Waffen und Lärm vertreiben lassen. Bei den alten Preußen folgten  der Leiche Reiter, die die Luft mit entblößten Schwertern schlugen und dabei riefen: „ Flieht ihr Dämonen in die Hölle!“ Später traten an Stelle der Schwerschläge Gewehr- und Kanonenschläge.

 

In einem alten Soldatenlied ( um 1640 ) heißt es:

 

„ Wer aber in der Schlacht

Frei vor den Feind gefallen

Dem wird sein Grab gemacht,

drei Salven drein erschallen“.

 

Vermutlich wurden aus dieser Zeit  die drei Salven übernommen und man übt diese Zeremonie heute noch aus, ohne den genauen Ursprung zu kennen.

 

In einem preußischen Soldatenlied (um 1750) lautet der Text:

 

„ Wenn ich einst gestorben bin,

So tut man mich begraben

Mit Trommel und mit Spiel,

Wie´s die Soldaten haben.

Drei Salven gibt man mir,

Wohl in das Grab hinein;

Das ist Soldat´n Manier.

Lasst andere Lustig sein.“

 

Die Zahl drei bezeichnet wie sonst, so auch bei der Salve , das Abgeschlossene , Vollendete, Vollständige: dreimal wird das bekannte gegeben, wird angefordert, ein Lebehoch ausgebracht, Erde auf den Sarg gestreut usw.

 

Trotz intensiver Nachforschungen lässt sich ein eindeutiger Beweiss für die drei Schüsse am Grab nicht erbringen. Möglicherweise könnte das Vorstehende die Erklärung dazu sein.